Symbolik des Bären: vom Waldkönig zum Teddybären

Berliner Bär, Berserker, Großer Wagen, Bärenfeste in den Pyrenäen und die ersten Teddybären: wofür der Bär steht, woher jede Bedeutung kommt und welche Deutungen auf überlieferten Quellen beruhen.
Wer durch Berlin spaziert, kommt am Bären kaum vorbei. Er ist seit 1280 in Berliner Siegeln nachgewiesen: Das erste bekannte Siegel mit Bären stammt vom 22. März jenes Jahres. Die Preisträger der Berlinale bekommen eine kleine Bärenfigur, und im Kunstprojekt Buddy Bär wurden schon über 1.200 Bären gestaltet. Dabei hat der Name der Stadt mit dem Tier vermutlich gar nichts zu tun.
Die Symbolik des Bären lebt von solchen Überraschungen. In vielen Kulturen steht der Bär vor allem für Kraft, für den Neubeginn im Rhythmus der Jahreszeiten und für den Trost, den heute ein Teddybär spendet. Seine Kraft liehen sich die Krieger, die sein Fell trugen, und die Städte, die ihn ins Wappen nahmen. Für den Neubeginn steht er wegen seines Jahreslaufs: Im Winter verschwindet er, im Frühling ist er wieder da. Und in Europa war er lange sogar der König der Tiere. Hier erfahren Sie, woher jede dieser Bedeutungen kommt und welche davon wirklich belegt sind.
Was symbolisiert der Bär?
Eine einzige Bedeutung gibt es nicht. Die Bär-Symbolik umfasst vor allem Kraft, Neubeginn, Königtum, Orientierung und Trost. Je nach Epoche und Geschichte erzählt der Bär von Macht, von einer neuen Jahreszeit oder von Zärtlichkeit. Diese Bedeutungen lassen sich an Texten und Überlieferungen festmachen:
- Kraft und Mut, bei den nordischen Kriegern und in der Wappenkunde;
- Neubeginn, mit dem Bären, der aus seiner langen Winterruhe erwacht;
- Königtum, denn er herrschte in Europa lange über die Tierwelt;
- Orientierung, mit dem Großen Bären, der den Weg nach Norden zeigt;
- Trost, seit der Teddybär in die Kinderzimmer eingezogen ist.
Berlin und Bern: zwei Städte, ein Wappentier
Zurück nach Berlin. Laut dem Artikel der deutschen Wikipedia über den Berliner Bären geht die Forschung beim Ortsnamen überwiegend von einem slawischen Ursprung aus, vom Wort berl, Sumpf. Der Bär kam also nicht über den Namen ins Siegel. Ins Herz geschlossen haben ihn die Berliner trotzdem.
Ganz ähnlich ist es in der Schweiz. Bern trägt einen schwarzen Bären im Wappen. Der Legende nach gab Herzog Berchtold V. von Zähringen der Stadt 1191 ihren Namen nach einem Bären, den er erlegt oder gefangen hatte. Wahrscheinlicher ist eine ganz andere Erklärung: ein altes keltisches Wort, berna, das „Kluft“ oder „Spalte“ bedeuten könnte. Die Berner haben das Tier dennoch angenommen, ihr Bärengraben wurde berühmt, und der Vorname Urs, von lateinisch ursus, ist dort bis heute verbreitet. Zwei Städte, zwei Namen, die wohl nichts mit dem Bären zu tun haben, und doch zwei Bären im Wappen: So groß war die Anziehungskraft dieses Tieres.




Ein Nachbar seit der Steinzeit
Die Menschen jagen den Bären seit vorgeschichtlicher Zeit, wegen seines Fleisches und seines Fells, und er hat tiefe Spuren in Mythen, Volksbräuchen und Kunst hinterlassen. Das lateinische ursus (ursa für das Weibchen) lebt im wissenschaftlichen Namen der Bärenfamilie weiter: Ursidae.
In der Chauvet-Höhle in Südfrankreich fand man Bärenschädel, die wahrscheinlich absichtlich dort abgelegt worden waren. Das „wahrscheinlich“ ist wichtig: Was die Geste bedeutete, weiß niemand. Die Idee, dass ein Bär eine besondere Behandlung verdient, zieht sich aber durch die Jahrtausende. In Japan widmeten die Ainu dem Bären eine aufwendige religiöse Zeremonie, das Iyomante.
Der König, der seine Krone verlor
Heute gilt meist der Löwe als König der Tiere. In Europa war das nicht immer so. Der französische Historiker Michel Pastoureau erzählt die Geschichte in seinem Buch L’Ours, histoire d’un roi déchu (2007), auf Deutsch etwa „Der Bär, Geschichte eines gestürzten Königs“. Seine These: Der Löwe trug die Krone nicht immer, er hat sie dem Bären abgenommen. Bis etwa zum Ende des 12. Jahrhunderts stand der Bär an der Spitze der Tierwelt.
Nach Pastoureau bekämpfte die Kirche den Bären fast tausend Jahre lang. Sie machte aus einem Tier, das die Menschen zu sehr bewunderten, ein unheimliches Wesen und setzte den Löwen auf den Thron. Am Ende hält das Buch eine Überraschung bereit: Es erzählt auch die Geschichte des Teddybären, die sein Verlag als letztes Echo einer leidenschaftlichen Beziehung zwischen Mensch und Bär vorstellt.
Bärenstark: Krieger im Bärenfell
Wer an einen Bären denkt, denkt zuerst an seine Kraft. In den skandinavischen Sagas heißen manche Krieger Berserker: Sie stürzen sich in rasender Wut in den Kampf. Ihr Name lässt zwei Lesarten zu. Nach der einen bedeutet er „Bärenhemd“: ein Krieger, der ein Gewand aus Bärenfell trägt. Nach der anderen „bloßes Hemd“: ein Kämpfer ohne Rüstung. Welche stimmt, ist bis heute umstritten.
Der französische Skandinavist Régis Boyer bevorzugte die erste Deutung: Der Krieger eignete sich die Kraft des Bären an, dessen Fell er als Rüstung trug. Den Bären zu tragen hieß, sich seine Stärke zu leihen. Noch näher an unserer Seite lebt ein anderes Tier, der Hund: Unser Artikel zur Symbolik des Hundes erzählt von diesem treuen Begleiter.
Winterruhe und Frühlingsfeste

Seine auffälligste Gewohnheit ist vielleicht diese: Wenn der Winter naht, ziehen sich die meisten Bärenarten in eine Winterruhe zurück, einen Schlaf, der rund hundert Tage dauern kann. Werden die Tage länger, kommt der Bär aus seiner Höhle. Für die Bergdörfer war die Botschaft klar: Der Winter ist vorbei.
Diese Bedeutung lebt bis heute. Jeden Winter feiern fünf Dörfer in den Pyrenäen, in Frankreich und Andorra, ihre Bärenfeste: Arles-sur-Tech, Prats-de-Mollo-la-Preste und Saint-Laurent-de-Cerdans im Haut-Vallespir sowie Encamp und Ordino in Andorra. Junge Männer verkleiden sich als Bären und laufen durch die Straßen, um die Teilnehmer zu fangen, begleitet von Tänzen, Musik und Reden auf Katalanisch.
Die UNESCO hat diese Feste 2022 in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen. Nach Angaben der UNESCO stehen sie für das Ende des Winters, die Rückkehr des Frühlings (mit dem Bären, der aus der Winterruhe erwacht) und die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Wer im Februar im Vallespir ist, kann miterleben, wie der Bär vom Berg herunterkommt.
Großer Bär und Großer Wagen: der Bär am Himmel

Vier Sterne für den Wagenkasten, drei für die Deichsel: So sieht man hierzulande den Großen Wagen. Seine sieben hellen Sterne bilden aber nur den auffälligsten Teil eines viel größeren Sternbilds: des Großen Bären. Die Griechen erzählten dazu eine Geschichte. Zeus verliebte sich in die Nymphe Kallisto, Tochter des Lykaon, des Königs von Arkadien. Zeus verwandelte sie schließlich in ein Sternbild, den Großen Bären, und ihren Sohn Arkas in den Kleinen Bären.
Der Bär hat sogar dem hohen Norden seinen Namen gegeben. Auf Griechisch heißt er arktos, daher kommt das Wort Arktis. Und der Große Wagen taugt als Kompass: Verbinden Sie in Gedanken die beiden hinteren Sterne des Wagenkastens, von Merak zu Dubhe, und verlängern Sie die Linie um etwa das Fünffache ihrer Länge. Dort steht der Polarstern, der die Nordrichtung anzeigt. Eine Bärin, die Reisende nach Hause führt: ein schönes Bild, das man gern bei sich trägt.
Teddybär-Geschichte: ein Präsident, eine Karikatur und eine Messe

November 1902, Mississippi. Präsident Theodore Roosevelt nimmt an einer Bärenjagd teil. Nach einer berühmt gewordenen Geschichte wird ein verletzter Bär an einen Baum gebunden, damit der Präsident ihn erschießen kann. Roosevelt weigert sich, ihn zu töten. Am 16. November veröffentlicht der Zeichner Clifford Berryman in der Washington Post eine Karikatur, die den Präsidenten zeigt, wie er den Bären verschont. Morris Michtom, der einen Süßwaren- und Spielzeugladen führt, sieht sie. Mit seiner Frau Rosa, die Stoffpuppen näht, verkauft er 1903 einen Plüschbären namens Teddy.
Der Steiff-Bär aus Giengen
Auf dieser Seite des Atlantiks kommt Richard Steiff mit Bärenskizzen aus dem Stuttgarter Zoo zurück. Er überzeugt seine Tante Margarete Steiff, in Giengen an der Brenz einen beweglichen Bären aus Mohairplüsch zu fertigen, das Modell PB 55. Sie zeigt ihn 1903 auf der Leipziger Spielwarenmesse, und ein amerikanischer Einkäufer, Hermann Berg, bestellt 3.000 Stück. Der Teddybär entsteht damit fast gleichzeitig in den Vereinigten Staaten, bei Morris und Rosa Michtom, und in Deutschland, bei Richard und Margarete Steiff. Wer also fragt, wer den Teddybär erfunden hat, bekommt zwei Antworten, und eine davon führt nach Giengen.
Ein Bär, der tröstet
Seitdem hat der Teddybär eine besondere Aufgabe: Er tröstet. Peter Bull, einer der Ersten, die von einem „Therapiebären“ sprachen, befestigte einfache Arme an einem Stofftier. Damit wollte er einem kleinen Jungen die Fehlbildung erklären, mit der dieser wegen Thalidomid geboren worden war, und ihm Trost spenden. Russell McLean, genannt „Teddy Bear Man“, schenkte jedem Kind im Krankenhaus einen Bären. Und das erste Teddybärmuseum der Welt öffnete 1984 im englischen Petersfield. Der alte König der Tiere ist in unseren Armen gelandet.
Krafttier Bär: Überlieferung oder moderner Glaube?
Wer nach dem Krafttier Bär oder seiner spirituellen Bedeutung sucht, findet Seiten über den Bären als Totem, Heiler oder inneren Wegweiser und über die Frage, was ein Bär im Traum bedeuten soll. Diese Lesarten sind moderne Deutungen. In den älteren Überlieferungen, die für diesen Artikel geprüft wurden, kommen sie nicht vor. In diesem Artikel gilt eine Bedeutung als belegt, wenn sie sich einer benannten historischen Quelle, einem überlieferten Text oder einer dokumentierten Tradition zuordnen lässt. Die Tabelle trennt beides:
| Idee | Herkunft | Quellenstatus |
|---|---|---|
| Der Bär als Kraft des Kriegers | Berserker der nordischen Sagas | Literatur, belegt (Herkunft des Namens umstritten) |
| Der Bär als König der Tiere | Europa bis ins 12. Jahrhundert, nach Pastoureau | Geschichte, belegt |
| Der Bär als Wappentier | Siegel von Berlin seit 1280, Wappen von Bern | Heraldik, belegt |
| Der Bär des Frühlings | Bärenfeste der Pyrenäen, UNESCO 2022 | Lebendige Tradition, belegt |
| Der Bär am Himmel | Griechischer Mythos von Kallisto | Mythologie, belegt |
| Der Bär, der tröstet | Teddybär, seit 1903 | Jüngere Geschichte, belegt |
| Der Bär als Krafttier, Totem oder Heiler | Heutige spirituelle Websites | Moderne Deutung, in den geprüften Quellen nicht belegt |
| Von einem Bären träumen | Traumbücher und Websites | Persönliche Deutung |
Dieselbe Unterscheidung gilt für jedes Tier. Unser Artikel zur Symbolik der Tiere erklärt, wie solche Bedeutungen entstehen, zwischen alten Geschichten und neuem Glauben.
Eine Bärenbrosche tragen

Zwischen dem König des Waldes und dem Teddy stehen unsere Bärenbroschen auf der sanften Seite. Vier Modelle gibt es:
- ein stehender Bär aus glänzend schwarzem Harz, mit grau marmoriertem Bauch und goldfarbener Fliege;
- ein sitzender violetter Teddy mit gestreiftem Band, eingefasst von einem silberfarbenen Stahlrand;
- ein Teddy aus schwarzer Emaille mit goldfarbenem Stahlrand;
- ein bunter Teddy mit blauem Kopf und rotem Körper, der einen grün, violett und pink gestreiften Schal trägt.
Passend zum übrigen Schmuck finden Sie unsere goldfarbenen Modelle und die silberfarbenen Broschen. Alle vier Bären halten mit einem Magneten, dessen Gegenplatte innen am Kleidungsstück sitzt, wie unsere übrigen Broschen ohne Nadel.
Am deutlichsten wirkt ein Bär auf ruhigem Untergrund: am Revers eines Blazers, am Mantelkragen, auf der Schulter eines Pullovers, auf der glatten Fläche einer Stofftasche. Schwarz hebt sich von Camel oder Ecru ab, Violett von Beige oder Jeans. Weitere Stellen, Kleidungsstück für Kleidungsstück, zeigt unser Ratgeber Brosche richtig tragen.
Einen Bären verschenken

Ein Bär spricht viele Menschen an: alle, die ihren Teddy aus Kindertagen aufgehoben haben, die Berge lieben oder Tiermotive sammeln, und auch Berlinerinnen und Berliner fern der Heimat. Seine Geschichte liefert auch gleich ein paar Worte für die Karte:
- für jemanden, der eine schwere Zeit durchmacht, als Erinnerung an den Teddy, der tröstet;
- für einen Menschen, der Mut braucht, mit dem Bären der Krieger und Wappen;
- zum Ende des Winters, als Gruß an den Bären, der im Frühling erwacht;
- für Sterngucker, mit dem Großen Wagen, der zum Polarstern führt.
Auch die Maus hat einen weiten Weg hinter sich, von den Fabeln bis ins Kinderzimmer: Wir erzählen ihn in unserem Artikel zur Symbolik der Maus. Für andere Tiere lohnt ein Blick auf unsere Broschen mit Tiermotiven oder auf alle unsere Broschen.
Bär-Symbolik auf einen Blick
| Tradition | Wo der Bär vorkommt | Was er sagt |
|---|---|---|
| Vorgeschichte | Bärenschädel in der Chauvet-Höhle | Ein Tier, dem man schon früh eine Sonderrolle gab |
| Mittelalterliches Europa | König der Tiere, vom Löwen gestürzt | Verlorenes Königtum |
| Skandinavien | Berserker der Sagas | Die Kraft des Kriegers |
| Berlin und Bern | Siegel seit 1280, Stadtwappen | Das Wahrzeichen einer Stadt |
| Pyrenäen | Bärenfeste, UNESCO 2022 | Ende des Winters, Neubeginn |
| Antikes Griechenland | Kallisto, Großer Bär und Großer Wagen | Der Bär am Himmel, der nach Norden zeigt |
| 20. Jahrhundert | Roosevelt 1902, Teddy und Steiff 1903 | Trost |
Gefürchtet, verehrt, entthront und schließlich abends im Arm gehalten: Der Bär hat alles erlebt. Vielleicht ist das seine ehrlichste Botschaft: Wahre Stärke kann auch sanft sein.
Häufige Fragen
Was symbolisiert der Bär?▾
Vor allem Kraft, den Neubeginn im Frühling nach der Winterruhe und den Trost, für den der Teddybär steht. In Europa galt der Bär außerdem lange als König der Tiere, bevor der Löwe seinen Platz einnahm.
Was bedeutet der Bär als Krafttier?▾
Deutungen, die den Bären zum Krafttier, Totem, Heiler oder inneren Wegweiser machen, sind moderne spirituelle Lesarten. In den älteren Überlieferungen, die hier geprüft wurden, kommen sie nicht vor. Die Überlieferungen verbinden den Bären dagegen mit der Kraft der Krieger, mit dem Ende des Winters und über den Großen Bären mit dem Himmel.
Wer hat den Teddybär erfunden?▾
Es gibt zwei Antworten. In den USA verkauften Morris und Rosa Michtom 1903 einen Plüschbären namens Teddy, angeregt von einer Karikatur über Präsident Theodore Roosevelt, der 1902 einen verletzten, an einen Baum gebundenen Bären nicht erschießen wollte. In Deutschland fertigte Margarete Steiff nach Skizzen ihres Neffen Richard in Giengen an der Brenz den beweglichen Bären PB 55, den sie 1903 auf der Leipziger Spielwarenmesse zeigte.
Was hat der Große Wagen mit dem Großen Bären zu tun?▾
Die sieben hellen Sterne des Großen Wagens sind der auffälligste Teil des Sternbilds Großer Bär. Im griechischen Mythos verwandelte Zeus die Nymphe Kallisto in dieses Sternbild und ihren Sohn Arkas in den Kleinen Bären. Das griechische Wort für Bär, arktos, steckt im Wort Arktis.
Warum steht der Bär für den Frühling?▾
Weil er den Winter in einer Winterruhe verbringt, die rund hundert Tage dauern kann, und dann seine Höhle verlässt. Die Bärenfeste der Pyrenäen, seit 2022 immaterielles Kulturerbe der UNESCO, feiern dieses Erwachen als Ende des Winters und Rückkehr des Frühlings.
