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Margerite: Bedeutung, Symbolik und ein Liebesorakel

Von Ma-Broche.fr· 8. Oktober 2026
Margerite: Bedeutung, Symbolik und ein Liebesorakel

Eine Blume, die man zupft, ein Name, der Perle bedeutet, der Ring eines Königs: Entdecken Sie die Bedeutung der Margerite, von der Unschuld bis zum „Ich werde es mir überlegen“.

Maßliebchen, Tausendschön, Margritli: Kaum eine kleine Wiesenblume hat im deutschen Sprachraum so viele Kosenamen wie das Gänseblümchen. Und kaum eine Blume wird so oft um Rat gefragt. Man zupft ein Blütenblatt nach dem anderen ab, „liebt mich, liebt mich nicht“, bis das letzte fällt und die Antwort feststeht.

Welche Bedeutung hat die Margerite? Im Buch Le Langage des fleurs der Französin Charlotte de La Tour, erschienen 1819, steht die kleine Margerite, also das Gänseblümchen, für Unschuld. Die große Wiesen-Margerite antwortet dagegen „Ich werde es mir überlegen“: ein Versprechen, das noch keines ist. Zusammen mit dem Zupforakel wird sie so zur Blume der Liebe, die noch zögert. Ihr Name kommt vom lateinischen margarita, „Perle“. Folgen Sie ihr von der Wiese bis an den Finger eines französischen Königs.

Unterwegs trennen wir, was belegt ist (Botanik, Wortgeschichte), von dem, was erzählt wird (Blumensprache, Überlieferungen). Beides lohnt sich, solange man es nicht verwechselt.

Margerite oder Gänseblümchen? Zwei Blumen, ein Name

Wiesen-Margerite in Nahaufnahme auf einer Wiese, gelbe Mitte mit weißen Zungenblüten
Was wie eine Blüte aussieht, ist ein Körbchen aus Dutzenden kleiner Blüten.

Im Deutschen hat die Sache einen Haken. Mit „Margerite“ ist meist die große Wiesen-Margerite gemeint, botanisch Leucanthemum vulgare. Das kleine Gänseblümchen auf dem Rasen heißt Bellis perennis. Im Französischen heißen beide „marguerite“; das Gänseblümchen nennt man dort genauer „petite marguerite“, kleine Margerite. Für die Symbolik ist das wichtig, denn die alten Bücher geben jeder der beiden eine eigene Botschaft.

Ein Körbchen voller Blüten

Beide gehören zur Familie der Korbblütler. Was wir für eine einzige Blüte halten, ist ein Blütenkorb: ein Blütenstand aus vielen kleinen, dicht gedrängten Blüten. Er besteht aus zwei Teilen:

  • am Rand die weißen Zungenblüten, die man gemeinhin „Blütenblätter“ nennt;
  • in der Mitte die gelben Röhrenblüten, winzig und eng aneinandergedrängt.

Wer eine Margerite zupft, reißt also keine Blütenblätter aus. Er nimmt eine kleine Blüte nach der anderen weg. Der Wikipedia-Artikel zur Wiesen-Margerite beschreibt diesen Aufbau im Detail.

Wiesen, Wegränder und Rasen

Die Wiesen-Margerite ist eine ausdauernde Pflanze. Sie wächst auf Wiesen, an Böschungen und in lichten Wäldern und ist in ganz Europa sehr häufig. Sie sind ihr bestimmt schon hundertmal am Rand einer Landstraße begegnet, ohne sie zu beachten.

Das Gänseblümchen trägt dasselbe Geheimnis im Herzen: gelbe Röhrenblüten, umgeben von weißen Zungenblüten. Dazu hat es eine hübsche Gewohnheit. Es schließt sich nachts und öffnet sich morgens wieder.

Maßliebchen und Tausendschön

Wie beliebt das Gänseblümchen ist, verraten seine Namen. Der Wikipedia-Artikel zum Gänseblümchen nennt unter anderem Maßliebchen, Tausendschön, Monatsröserl und Margritle, in der Schweiz Margritli. „Maßliebchen“ ist seit dem 14. Jahrhundert belegt, damals noch als „Maßleben“ oder „Maßlieben“. Und in „Margritli“ klingt schon der Name an, um den es hier geht.

Diese runde Blume mit ihrem Kranz aus Blütenblättern finden Sie auch auf mehreren unserer Blumenbroschen in Margeritenform. Doch vor dem Schmuck war da … eine Perle.

Vom Perlenwort zur Königin

Bevor die Margerite eine Blume war, war sie eine Perle.

Das Wort geht auf das lateinische margarita zurück, „Perle“, das seinerseits aus dem griechischen margarítēs stammt. Im Altfranzösischen bezeichnet „margerie“ zwischen 1130 und 1140 zunächst die Perle. Erst im 13. Jahrhundert steht das Wort für eine Blume, in der Erzählung Aucassin et Nicolette, und zwar … für das Gänseblümchen.

Ins Deutsche kam der Name auf diesem französischen Umweg. Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache wurde „Margerite“ im 16. Jahrhundert aus dem französischen marguerite entlehnt; für 1580 ist eine „Margaritenblum“ belegt.

Die alte Perle steckt noch in einer Redewendung, die Sie kennen: „Perlen vor die Säue werfen“. Sie stammt aus dem Matthäusevangelium, und dessen lateinischer Text verwendet genau dieses Wort: margaritas.

Betrachten Sie eine Margerite einmal mit diesen Augen: ein gelbes Herz, ein runder weißer Kranz. Der Vergleich mit einer Perle drängt sich fast auf. Die Dichter sahen das genauso. 1364 widmet Guillaume de Machaut ihr ein ganzes Gedicht, Le Dit de la marguerite.

Ein Ring aus Lilien und Margeriten

Alter ziselierter Ring mit einem Kranz aus Lilien und Margeriten auf nachtblauem Samt
Der Ring Ludwigs IX., wie ihn ein Buch von 1819 beschreibt.

Auch an den Königshöfen spielte man mit Perle, Blume und Vorname. Ludwig IX., in Frankreich als Saint Louis verehrt, heiratete 1234 Margarete von der Provence, auf Französisch Marguerite. Charlotte de La Tour erzählt, der König habe einen Ring getragen, verziert mit einem Kranz aus Lilien und Margeriten, mit einem Kruzifix und dem Wahlspruch: „Hors cet anel pourrions-nous trouver amour?“, sinngemäß: Könnten wir außerhalb dieses Rings Liebe finden? Der Ring vereinte so, schreibt sie, den Glauben, Frankreich und die Königin.

Das ist eine Überlieferung aus einem Buch des 19. Jahrhunderts, kein Fund aus dem Archiv. Der Gedanke berührt trotzdem: am Finger die Blume zu tragen, die so heißt wie die eigene Königin.

Margarete: ein Vorname mit Blume

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert gehörte Marguerite in Frankreich zu den am häufigsten vergebenen Vornamen. Die heilige Margareta von Antiochia gilt als Schutzpatronin der Gebärenden. Wieder eine Verbindung zur Geburt, wie bei der „Blume des Neugeborenen“, der wir gleich begegnen.

Margerite: Bedeutung in der Blumensprache

Strauß aus Margeriten und Gänseblümchen mit einer Schleife, auf einem alten geschlossenen Buch
1819 legt Charlotte de La Tour die Sprache der Margerite fest.

Im 19. Jahrhundert liebt man Sträuße, die sprechen. 1819 erscheint in Frankreich Le Langage des fleurs von Charlotte de La Tour, eine Sammlung, die jeder Blume eine Botschaft zuordnet. Die Margerite erhält dort je nach Art mehrere Bedeutungen. Behalten Sie dabei im Hinterkopf: Das sind Regeln aus einem Buch, keine Wahrheiten über die Pflanze. Wie dieser Code entstanden ist, erklärt unser kleiner Leitfaden zur Blumensprache.

Die Wiesen-Margerite: „Ich werde es mir überlegen“

Die große Wiesen-Margerite trägt eine rätselhafte Botschaft: „J’y songerai“, ich werde es mir überlegen. Das Buch erzählt aus der Ritterzeit: Zeigte sich eine Dame mit einem Kranz aus weißen Margeriten, gab sie dem Ritter, der ihr dienen wollte, genau diese Antwort.

Weder Ja noch Nein. Der Ritter durfte hoffen, aber nichts für sicher halten. Darin steckt dieselbe Spannung wie im Zupforakel: Die Margerite ist die Blume der zögernden Liebe.

Gibt es eine spirituelle Bedeutung?

Viele Menschen suchen nach einer „spirituellen Bedeutung“ der Margerite. In den Quellen, die wir gelesen haben, schreibt ihr keine alte Tradition eine bestimmte spirituelle Botschaft zu.

Was man findet, sind Unschuld und Kindheit aus der Blumensprache des 19. Jahrhunderts und das verliebte Abwarten des „J’y songerai“. Wenn Ihnen die Margerite etwas anderes sagt, ist das Ihre persönliche Lesart, und sie gehört Ihnen.

Gänseblümchen: Bedeutung einer kleinen weißen Blume

Und das Gänseblümchen? Bei Charlotte de La Tour steht die kleine Margerite für die Unschuld. Zur Erklärung greift sie auf Ossian zurück, einen schottischen Gedichtzyklus aus dem 18. Jahrhundert.

Darin beweint Malvina den Helden Oscar und dessen Sohn, der noch vor der Geburt starb. Die Mädchen von Morven weihen die kleine Margerite daraufhin „der ersten Kindheit“. So wird sie „die Blume der Unschuld, die Blume des Neugeborenen“.

Das ist eine literarische Legende, kein alter Volksglaube. Aber sie gibt der kleinen weißen Blume eine sehr zarte Bedeutung: die eines Lebens, das gerade beginnt. Sie passt gut zu einer Blume, die sich jeden Morgen von Neuem öffnet.

„Liebt mich, liebt mich nicht“: das Blumenorakel

Fast ganz gezupfte Margerite auf einer Leinentischdecke, umgeben von abgefallenen weißen Blütenblättern
Liebt mich, liebt mich nicht … das letzte Blütenblatt entscheidet.

Die deutsche Version des Orakels ist kurz und unerbittlich: Bei jedem Blütenblatt wechselt die Antwort zwischen „liebt mich“ und „liebt mich nicht“. Die deutsche Wikipedia nennt das Spiel ein bekanntes Liebesorakel. In Frankreich gibt es mehr Zwischentöne: „Il m’aime, un peu, beaucoup, passionnément, à la folie, pas du tout“, also ein bisschen, sehr, leidenschaftlich, wahnsinnig, gar nicht. Manche Versionen fügen noch „plus que tout“ hinzu, mehr als alles. Auch dort entscheidet das letzte Blütenblatt.

Gespielt wird es in mehreren Ländern, mit der Margerite wie mit dem Gänseblümchen. Sogar auf die Bühne hat es das Spiel geschafft: Es kommt im Ballett Giselle von Jean Coralli und Jules Perrot vor, das 1841 in Paris uraufgeführt wurde. Auch Victor Hugo erwähnt es in Les Misérables.

Und woher stammt es? Darauf gibt es keine sichere Antwort. Die Quellen, die wir gelesen haben, nennen weder seine Herkunft noch sein genaues Alter. Es bleibt, was es ist: eine kleine Frage an eine Blume, an einem Sommertag.

Eine Margerite verschenken: Was sie sagt

Mit all diesen Bedeutungen passt die Margerite zu sehr verschiedenen Anlässen:

  • eine Geburt, in Erinnerung an „die Blume des Neugeborenen“;
  • ein schüchternes Geständnis oder eine Antwort, die die Tür offen lässt: „Ich werde es mir überlegen“;
  • eine Margarete oder Marguerite, die die Blume schon im Namen trägt;
  • alle, die Wiesen und Feldblumen lieben.

Entscheidend ist, die Blume mit dem zu verbinden, was die beschenkte Person gerade erlebt. Ein paar Worte auf der Karte genügen:

  • „Willkommen auf der Welt, kleine Blume.“
  • „Ich habe es mir überlegt: ja, von ganzem Herzen.“
  • „Eine Margerite für meine Margarete.“

Wie Sie die passende Brosche für einen bestimmten Menschen finden, zeigt unser Ratgeber zum Verschenken einer Brosche. Und wer eine deutlichere Botschaft sucht, kombiniert die Margerite mit einer anderen Blume: Lesen Sie, was rote und weiße Rosen bedeuten.

Die Margerite als Brosche tragen

Eine Margerite als Brosche welkt nicht und lässt sich zu jeder Jahreszeit tragen. Bei Ma Broche gibt es die Margerite als Modeschmuck in mehreren Varianten:

  • bunt emaillierte Blütenblätter mit Strasssteinen auf einer goldfarbenen Fassung;
  • eine schwarze Margerite mit zwölf Blütenblättern, einem erhabenen cremefarbenen Herzen und zwei grünen Blättern;
  • zwei übereinanderliegende Margeriten aus silberfarbenem Stahl, mit cremefarbenen, grauen und schwarzen Blütenblättern;
  • eine schwarze und eine weiße Margerite, vereint in einem durchbrochenen Medaillon.

Alle werden mit einem Magnetverschluss befestigt. Tragen Sie eine am Revers einer Jacke, auf einem Pullover oder einem Tuch: Schwarz-Weiß passt zu einem schlichten Outfit, die bunte Version belebt einen einfarbigen Mantel. Ihr Lieblingsmodell finden Sie in unserer Auswahl an Blumenschmuck zum Anstecken.

Lust auf einen kleinen Strauß? Kombinieren Sie sie mit einer Mohnblumenbrosche: Auch diese Feldblume hat ihre Geschichte, erzählt in unserem Artikel über die Bedeutung des Mohns.

Die Bedeutung der Margerite auf einen Blick

In der Blumensprache des 19. Jahrhunderts steht die Margerite für Unschuld und zögernde Liebe, und ihr Name bedeutete zuerst „Perle“. Die Tabelle trennt Fakten (Botanik, Wortgeschichte), die Regeln des Buches von 1819 und überlieferte Traditionen:

Bereich oder QuelleWas die Margerite bedeutet
BotanikEin Blütenkorb: gelbe Röhrenblüten in der Mitte, weiße Zungenblüten am Rand
Herkunft des NamensLateinisch margarita, „Perle“; als Blumenname im 13. Jahrhundert belegt
Deutsches WortIm 16. Jahrhundert aus dem französischen marguerite entlehnt
Volksnamen des GänseblümchensMaßliebchen, Tausendschön, Margritli
Gänseblümchen (Charlotte de La Tour, 1819)Unschuld, „die Blume des Neugeborenen“
Wiesen-Margerite (1819)„J’y songerai“: Ich werde es mir überlegen
ZupforakelDie ungewisse Liebe; Herkunft unbekannt
Ludwig IX. (überlieferte Tradition)Ring aus Lilien und Margeriten, für Margarete von der Provence
Spirituelle BedeutungKeine alte Tradition belegt

Häufige Fragen

Was bedeutet die gefüllte Margerite?▾

In Le Langage des fleurs von Charlotte de La Tour (1819) antwortet die gefüllte Margerite: „Je partage vos sentiments“, ich teile Ihre Gefühle. Für den geduldigen Ritter ist der Zweifel damit ausgeräumt.

Warum heißt die Margerite auf Englisch „daisy“?▾

„Daisy“ kommt vom altenglischen dæges eage, „Auge des Tages“, weil sich die Blume am Morgen öffnet und am Abend schließt. Schon Chaucer nannte sie „eye of the day“. Im Englischen ist Daisy außerdem ein Kosename für Margaret, gerade weil „marguerite“ der französische Name der Blume ist.

Was bedeutet die Sommeraster, französisch „reine-marguerite“?▾

Bei Charlotte de La Tour (1819) steht die reine-marguerite, auf Deutsch Sommeraster, für Vielfalt. Sie ist eine andere Pflanze als die Margerite: Sie stammt aus China und kam durch Pater d’Incarville nach Frankreich, einem Missionar, der um 1730 Samen an den Jardin du roi schickte, den königlichen Garten in Paris.

Wer war die „Marguerite des Marguerites“?▾

So nannte man Marguerite d’Angoulême (1492 bis 1549), die Schwester von Franz I. und Königin von Navarra, eine bedeutende Schriftstellerin. Ihre Gedichtsammlung von 1547 heißt Les Marguerites de la Marguerite des princesses: Perle, Blume oder Prinzessin, der Titel spielt mit allen dreien.

Ist die Margerite eine Nationalblume?▾

Ja, in Dänemark: Dort hat sie 1987 den Rotklee als Nationalblume abgelöst, und Königin Margrethe II. wird von ihren Vertrauten „Daisy“ genannt. Frankreich hat keine offizielle Nationalblume; Kornblume, Margerite und Klatschmohn werden dort manchmal mit den drei Farben der Flagge verbunden.

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